M&A-Welle rollt durch die Schweiz
Freundliche wie feindliche Firmenübernahmen sind in der Schweiz beinahe schon an der Tagesordnung.
Zahlreiche Firmen sehen sich unter Konsolidierungsdruck und einige Unternehmen mit Potenzial sind auch ausländischen Investoren allzu sehr ins Auge gestochen. Für M&A- und Rechtsspezialisten bei Investmentbanken, Anwaltskanzleien und Private-Equity-Unternehmen gibt es also viel Arbeit.
Jüngst holte die Zürcher Kantonalbank, drittgrösste Schweizer Bank, zum grossen Coup aus und verhalf dem Russen Viktor Vekselberg zu einem grossen Paket am Industriekonzern Sulzer. Insgesamt ist abzusehen, dass die M&A-Deals im laufenden Jahr neue Rekorde anstreben. Für kleinere Unternehmen geht es vor allem darum, mit Übernahmen selbst einen besseren Schutz gegen ungewollte Aufkäufer zu erhalten. Gleichzeitig will sich das Private Equity-Lager an diesen lukrativen Firmen beteiligen.
Im ersten Quartal machte der französische Versicherungskonzern Scor eine drei Milliarden Franken schwere Offerte für den Rückversicherer Converium, die erst jetzt zähneknirschend akzeptiert wurde. Im Ausland kaufte die Swisscom ein und erwarb für rund sechs Milliarden Franken die italienische Telekomfirma Fastweb. Für 1,1 Milliarden Franken wiederum wurde Plus Orthopedics an die britische Smith & Nephew verkauft. Insgesamt wurden im ersten Quartal Geschäfte im Volumen von rund 45 Milliarden Schweizer Franken getätigt, wie Marktstatistiker Dealogic angibt.
Laut Martin Kesselring, Head Investment Banking der UBS Schweiz, hält die Kauflaune noch an. "Der Schweizer Markt war immer vergleichsweise aktiv. Es gibt viel Interesse an kleinen und mittelgrossen Firmen, die gut geführt sind und interessante Technologie bieten. Zahlreiche Investoren sehen noch verbreitet Unterbewertungen".
Währenddessen gilt es für mittelgrosse Unternehmen, mit Zukäufen auf internationalem Parkett Wachstum zu generieren, nachdem das interne Potenzial ausgeschöpft ist. "Viele Firmen wollen sich mit der Übernahme eines anderen Unternehmens selber schützen", findet Howard Da Silva, der bei Deloitte im Sektor Corporate Finance arbeitet. Auch die zunehmend auftretenden Finanzinvestoren lassen bei Schweizer Firmen immer mehr Sorgen um die eigene Besitzstruktur aufkommen. "Private Equity wird eine aktivere Rolle in der Schweiz spielen, da das einer der bisher ruhigsten Märkte war", sagt Nick Bossart, Head Investment Banking Deutsche Bank Schweiz.