Skandalbanken im Lebenslauf? Kein Problem!
In einer Geisterbahn fährt man von einer schaurigen Gestalt zur nächsten. Ganz ähnlich ist vielen Beobachtern auf dem Bankenmarkt zumute: Da stößt man auf Goldman Sachs, die angeblich einem Hedgefonds erlaubt haben, toxische Wertpapiere in einem Kreditderivat zu bündeln. Nach dem Verkauf dieser Investmentvehikel durfte eben jener Hedgefonds auf den Wertverfall der selbstgeschaffenen Müllkippe spekulieren - und Millionen einstreichen.
Nicht gleich den Kopf hängen lassen
Eine andere Station ist die Mittelstandsbank IKB, die derartige Spitzenprodukte kaufte. Großen Schrecken verbreitete auch Lehman Brothers, wo pünktlich zu den Quartalszahlen, Risiken kurzerhand aus der Bilanz verschwanden. Doch was machen Mitarbeiter, die eine solche Horroradresse in ihrem Lebenslauf haben?
Headhunter Jörg Fricke rät Betroffenen, nicht gleich den Kopf hängen zu lassen: "Die IKB ist durch einige wenige Mitarbeiter in eine schwierige Situation geraten." Für Mitarbeiter, die beispielsweise in der erfolgreichen Mittelstandsfinanzierung arbeiten, muss eine Station bei dem Düsseldorfer Geldhaus keinen Nachteil bedeuten.
Lehman als Topadresse
Selbst die Tätigkeit bei der bankrotten US-Investmentbank Lehman muss für die Karriere keinen Nachteil bedeuten. "Für mich ist Lehman noch immer eine Topadresse", sagt Fricke. Die Headhunter von Fricke Finance & Legal aus Frankfurt beobachten auch keine große Zahl umherirrender Ex-Lehman-Mitarbeiter. "Die sind alle irgendwo untergekommen," sagt Fricke.
Entscheidend sei vielmehr die Frage, für welche Aufgaben die Mitarbeiter bei ihren ehemaligen Arbeitgebern verantwortlich gewesen sind und welche Erfolge sie dort verzeichnen konnten. Auch für den Lebenslauf gäbe es nichts spezielles zu beachten. "Ich sehe nicht, wieso Sie da etwas erklären müssten," ergänzt Fricke.
Problem nur für den Vorstand
Nachteilig seien lediglich Adressen, die nicht nur über einen Skandal gestolpert sind, sondern deren Geschäftsmodell grundsätzlich fragwürdig ist. Doch dies treffe lediglich auf einige kleine Finanzdienstleister zu. Selbst die WestLB, die kein Fettnäpfen ausgelassen habe, sei in so manchem Bereich eine gute Adresse.
Die Skandale indes seien hauptsächlich für den Vorstand problematisch. "Für das mittlere Management und die Spezialisten ist es das nicht", ergänzt Fricke. Bei den Gehältern auf Vorstandsebene dürften die Betroffenen nicht allzu hart fallen. Denn die Bankenbranche gleicht eben doch einer Geisterbahn: Am Ende der Fahrt lachen alle.